Mittwoch, 27. Januar 2010

Weihnachten in der Halong Bucht










Weihnachten, ein Missverständnis

Liebe Leser und Leserinnen,

erst einmal möchte ich euch so kurz vor Neujahr (ja richtig, bald steht Tet ins Haus) noch mal ein Fröhliches Weihnachtsfest wünschen. Ihr werdet das jetzt komisch finden, wahrscheinlich gleich beides, hier ist halt alles anders oder wie die Vietnamesen sagen same, same but different! Oder einfach ein sagenhaftes Missverständnis wie meine Weihnachtsfeiertage. Viel Spaß beim Lesen.

Weihnachten stand also den Menschen von Hanoi ins Haus. Richtig, den Menschen von Hanoi und nicht nur den Ausländern von Hanoi. Die Stadt versank in Dekorationen von Weihnachtsmännern, Engeln, Kunstschnee (in Vietnam fällt niemals welcher, aber er wird "heiss-geliebet") und Tannenbäumen. Es war nicht mehr auszuhalten, als hätte man den Kölner Christkindelmarkt zehnfach potenziert und über Hanoi abgeworfen.

Ein ca 3 m hoher Tannenbaum aus Bierflaschen der Marke Heineken sorgte regelmäßig für Mofa-Auffahrunfälle vor dem Shoppingzentrum, das leider auf meinem Heimweg liegt. Ich musste sogar einen Umwege fahren, dass Weihnachten meine Gesundheit und Leben nicht bedroht. Was ein Witz.

Den Morgen des 24. Dezember, so hieß das Abkommen im Büro, wird noch gearbeitet. Unser Büro genießt die Deutschen und die Vietnamesischen Feiertage ;)
Den Vormittag war ich na klar damit beschäftigt Rezepte aus dem Internet zu suchen und den Supermarkt im Eingangsbereich zu durch stöbern. Die Tatsache dass mein PC hochgefahren und die Stille Nacht trällerte, bewegte die Vietnamesischen Kollegen höchstens dazu die Stille Nacht auch auf Vietnamesisch und in Karaokeversion im Internet zu finden.

Für abends hatte ich Freunde in Achims Wohnung eingeladen, dort habe ich so zu sagen residiert solange Achim selbst seinen Eltern im Ländle am Bodensee einen Besuch über die Feiertage abgestattet hat. Nun hatte ich also Seeblick selbst vom Klo, endlich eine eigene Küche und Kabelfernsehen, das perfekte Nest für Weihnachten.

Die Einkäufe umständlich auf Freunde verteilt, damit ich sie nicht selbst nach hause schleppen musste ;) wartet ich auf die Ersten. Jeder brachte etwas mit. Eigentlich waren wir durch duzende Besucher aus Deutschland komplett mit Feuerzangenbowle ausgestattet aber das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung und bescherte uns mindestens 25 °C am heiligen Abend. Flexibel wie wir sind, ließen wir die Makronen links liegen und hatten stattdessen Caipirinha auf dem Balkon.

Jedes Mal, wenn jemand beim Anstoßen Frohe Weihnachten ausrief glich das mehr einem Scherz, man hätte auch Frohe Ostern oder Yes we can! sagen können.

Wir hatten die Wahl, später die Christmette in der St. Josefs Kathedrale zu besuchen oder in den Gottesdienst auf Englisch in einer Kirche um die Ecke zu gehen. Wir entschieden uns für die wunderschöne Kathedrale. Etwa eine halbe Stunde vorher trafen wir ein, und die Strassen um das Gotteshaus waren bereits weiträumig gesperrt.

Mit so vielen Gläubigen hatte ich nicht gerechnet. Man durfte nur noch zu Fuß in einem km Radius herum spazieren, Mofas mussten leider draußen bleiben. Einen Platz in der Kathedrale konnten wir also vergessen, jetzt hieß es sich zu mindest in die Nähe der haushohen Krippe vor zu kämpfen. Es lag ein Geruch in der Luft der mich sehr irritierte. Es dauerte auch einen Moment bis ich deuten konnte, dass es der perfekte Kinogeruch war. Es war Popkorn.

Näher an St. Josefs, knapp vor dem Rondell mit der Muttergottes konnten wir in den Massen stehen bleiben. Die Christmette schien zu beginnen und der Gottesdienst wurde mit Hilfe eines Beamers direkt an die Hauswand geworfen. Angeschaut hat sich das aber niemand, wie wir ungleich später erkannten. Renes Vorschlag gefolgt haben wir uns gute Plätze zum „Leute beobachten“ gesucht, namentlich die Treppe von einem Kaufhaus. Von dort bot sich uns nun das ganze Bild des Vietnamesischen Heiligabend:

Eltern hatte ihre Kleinkinder in Nikolauskostüme gesteckt, und Kleinkinder gibt es hier ja in Hülle und Fülle. Auf je zwei über Zwanzigjährige kam also mal locker ein kleiner Nikolaus, der ununterbrochen nach Popkorn brüllte. Auf ältere Pärchen auch gerne zwei. Zwischen den Popkornverkäufern gab es auch noch Luftballonsverkäufer, die hier ihr Geschäft witterten. Extra für die Gelegenheit gab es Luftballons mit Engeln und Nikoläusen. Die fanden ihren Anklang. Fast jeder Erwachsene war bereits mit so einem ausgestattet.

Die Geschäfte waren alle noch offen, die Restaurants und Bars überfüllt, die Damen auf zu hohen Schuhen, die Herrn stolz auf ihre Frauchen und mit den brüllenden Nikoläusen beschäftigt. Die Übertragung aus der Kirche war Hintergrundgedudel.

Es läutete zu Mitternacht, kurz unterbrach das Gewusel, die Gesichter richteten sich zur Kathedrale. Wir waren gespannt, ob jetzt der Weihnachtsgeist doch noch das Treiben unterbrechen würde. Das Läuten verhallte, die Luftballons wurden los gelassen, Nikoläuse, Engel und Christkinder stiegen gegen Himmel, Applaus hallte auf und wieder in den engen Gassen, die sich um die Kathedrale winden. Der Heimweg wurde angetreten. Es dauerte keine 10 min und alles was übrig war, waren leere Popkornschachteln, die immer noch laufende Übertragung aus der Kathedrale und wir.